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Wird es in der Toskana irgendwann zu heiss für Wein?

vor 8 Stunden
2 Min. Lesezeit

Diese Frage höre ich immer wieder: Wenn es in der Toskana immer wärmer wird, müssten die Weine dann nicht automatisch alkoholreicher, reifer und schwerer werden? Und wird man dort in Zukunft überhaupt noch Wein anbauen können?

Die Sommer werden heisser und trockener, die Trauben reifen schneller und die Weinlese beginnt vielerorts früher. Eigentlich müsste das zu immer üppigeren Weinen führen. Doch interessanterweise erleben wir bei vielen guten Produzenten das Gegenteil: Ihre Weine wirken heute frischer, präziser und eleganter als so mancher Wein, der vor 30 oder 40 Jahren unter kühleren Bedingungen entstanden ist.


Früher war es kühler – die Weine aber nicht unbedingt leichter


In den 1980er- und 1990er-Jahren waren Konzentration, sehr reife Frucht, kräftige Extraktion und der Einsatz von kleinen Holzfässern häufig erwünscht. Ein Wein sollte Kraft haben und Eindruck machen. Heute suchen viele Winzer eher nach Frische, Balance und einer klaren Herkunft. Doch nicht nur der Geschmack hat sich verändert. Vor allem hat sich verändert, wie im Weinberg gearbeitet wird.


Frische entsteht im Weinberg


Winzer wissen heute wesentlich mehr darüber, wie ihre Reben auf Hitze und Trockenheit reagieren. Böden und einzelne Parzellen werden genauer beobachtet, ebenso die Wasserversorgung, Begrünung, Hanglage und Laubarbeit. Ein gutes Beispiel ist das Blätterdach. Früher wurden häufig Blätter entfernt, damit möglichst viel Sonne an die Trauben gelangt. In einem heissen Sommer kann genau das zum Problem werden. Heute dienen die Blätter oft ganz bewusst als natürlicher Sonnenschutz. Auch kleine Unterschiede werden wichtiger: Morgensonne statt heisser Nachmittagssonne, einige Dutzend Meter mehr Höhe oder ein Boden, der Wasser besser speichern kann. Denn wenn eine Traube durch zu viel Hitze bereits Säure und aromatische Frische verloren hat, lässt sich das später im Keller nur schwer korrigieren.


Der richtige Moment entscheidet


Auch die Weinlese wird immer präziser. Einfach früher zu ernten, reicht nicht. Entscheidend ist der richtige Moment. Gerade in warmen Jahren kann das optimale Zeitfenster sehr klein sein. Wenige Tage können darüber entscheiden, ob eine Traube frisch und ausgewogen oder bereits überreif ist. Selbst die Tageszeit der Lese und die Geschwindigkeit, mit der die Trauben in den Keller gelangen, spielen eine Rolle. Auch dort wird heute häufig zurückhaltender gearbeitet: weniger starke Extraktion, gezielterer Holzeinsatz und eine präzisere Temperaturkontrolle. Es geht weniger darum, einen bestimmten Stil zu erzeugen, sondern darum, das zu bewahren, was im Weinberg entstanden ist.


Bedeutet mehr Wärme automatisch mehr Alkohol?


Nicht unbedingt. Natürlich begünstigt ein warmes Klima eine schnellere Zuckerreife und damit potenziell höhere Alkoholwerte. Aber die Zahl auf dem Etikett erzählt nicht die ganze Geschichte. Entscheidend ist die Balance. Auch ein Wein mit höherem Alkoholgehalt kann frisch und harmonisch wirken, wenn Säure, Frucht, Tannin und Alkohol miteinander im Gleichgewicht stehen.


Wo liegen die Grenzen?


Der Klimawandel bleibt dennoch eine grosse Herausforderung. Höhere Temperaturen, längere Trockenperioden und extreme Wetterereignisse könnten dazu führen, dass bestimmte Rebsorten oder Lagen irgendwann an ihre Grenzen kommen. Aber zwischen einem heissen Sommer und dem Wein in unserem Glas steht der Mensch. Winzer haben in den vergangenen Jahrzehnten enorm viel darüber gelernt, wie sie ihre Reben schützen und sich an veränderte Bedingungen anpassen können. Deshalb bedeutet ein wärmeres Klima nicht automatisch schwerere Weine. Vielleicht liegt genau darin eine der spannendsten Entwicklungen des modernen Weinbaus: Die Zukunft des Weins entscheidet sich weniger im Keller als draussen zwischen den Reben.


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